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„Epiphyllum HU 988“ als Epicactus ’Werner Uebelmann’ bei

der Epiphyllum Society of America registriert


Eckhard Meier

(Abstract J. Bockemühl) “Epiphyllum HU 988“ registered as Epicactus ’Werner Uebelmann’ by the Epiphyllum Society of America. In the late 1980’s, Werner Uebelmann from Switzerland collected an Epiphyllum-like plant in the area of Campo Allegre in the State of Santa Catarina (Brazil) to which he gave the field number HU 988. Although the collection was made in a remote area far from human settlements and devoid of epiphytic cacti suggesting natural hybridization, the plant turned out to be a hybrid with the traits of an epicactus suggesting Disocactus speciosus parentage. In cultivation, HU 988 is a rewarding free-flowering plant with short stems growing from the base of the plant. The numerous red flowers of 15-18cm diameter (Figs. 1 & 2) last for several days, and the plant is by no means fastidious. Therefore the author registered this hybrid, with consent of the discoverer, with the name Epicactus ‘Werner Uebelmann’ at the Epiphyllum Society of America (Reg. No. 13354, Directory 2008, Addendum 31).



In den späten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts fand Werner Uebelmann besagte Pflanze mitten in der brasilianischen Wildnis in der Gegend um Campo Allegre im Bundesstaat Santa Catarina. Auf Grund ihres Aussehens nahm er zunächst an, dass es sich bei ihr um ein Epiphyllum oder eine Epiphyllum-verwandte Art bzw. Hybride handeln könnte, so dass dieser Fund unter der Nummer HU 988, womöglich als Naturhybride, in das mit Leopoldo Horst gemeinsam geführte HU-Feldnummernverzeichnis aufgenommen wurde (Uebelmann 1996). Nachdem die Pflanze auch in Europa geblüht hatte, wurde schnell klar, dass es sich hier keinesfalls um ein Epiphyllum handeln konnte. Die roten Blüten, deren innere Kronblätter einen ausgeprägt karminfarbenen Rand aufweisen, sprechen vielmehr für eine Hybride mit Disocactus (syn. Heliocereus) speciosus-Hintergrund, so dass man wohl kaum fehl geht, einen weiteren Vertreter unserer Epikakteen vor sich zu haben.

Die Frage ist nur, wie dieser in ein Gebiet fern jeglicher menschlicher Besiedlung gelangt ist, in der weder Epiphyllen noch Disocacteen oder andere verwandte Epiphyten verbreitet sind, so dass sich auch lokal entstandene Naturhybriden hier kaum gebildet haben können. Weitere interessante Informationen über diesen Findling sind einem Bericht von Andreas Hofacker zu entnehmen, der vor einiger Zeit in dieser Zeitschrift (EPIG) erschienen ist (Hofacker 2000).

Epicactus Werner Uebelmann

Abb.1 Epicactus ´Werner Uebelmann´



Epicactus Werner Uebelmann

Abb.2 Epicactus ´Werner Uebelmann´.

Bei mir steht diese Pflanze seit einigen Jahren in Kultur und blüht jedes Jahr im Frühling sehr reich. Was mich besonders erfreut ist ihr geringer Platzbedarf und ihre problemlose Kultur. Ein leicht überstehendes Dach auf meiner nach Süden exponierten Dachterrasse bietet ihr von April bis weit in den Herbst hinein lediglich einen gewissen Schutz vor mittäglicher Prallsonne sowie vor exzessiven Regenfällen, was ihr offensichtlich gut bekommt. Sie hat sich im Laufe der Zeit zu einem niedrig bleibenden Busch entwickelt und wird von mir in einem Ampeltopf gehalten, obgleich sich ihre Triebe mehr nach oben und zu den Seiten hin und weniger nach unten hängend ausbreiten. Die an den Rändern unauffällig gegliederten Sprosse sind basal stärker, im Übrigen aber eher spärlich mit Borstendornen besetzt und bleiben mit überwiegend unter 40cm Länge erfreulich kurz. Nach der ersten Blüte beginnen sie allerdings nach und nach fleckig zu werden, wenngleich bei weitem nicht in dem Maße wie etwa bei der ’Deutschen Kaiserin’. Alte, abgeblühte „Blätter“ sollte man sowieso zurückschneiden, worauf die Pflanze spontan von unten heraus neu austreibt und auf diese Weise allmählich zu einem vergleichsweise kleinen, angenehm zu handhabenden „Strauch“ heranwächst. Die jungen, anfangs rundlichen Spieße sind dabei auffällig rotbraun gefärbt, ehe sie später in eher dunkelgrüne, mäßig breite, an die ’Cooperi’ erinnernde Flachsprosse übergehen.



Von der Blütenfarbe her (Abb.1 und 2) stellt dieser Fund an sich noch nichts Besonderes dar, denn es gibt sie bei Epikakteen in ähnlicher Art zuhauf. Auch der 15-18 cm breite Flor allein veranlasst einen Epikakteenliebhaber nicht gleich dazu, in Jubelstürme auszubrechen, gibt es mittlerweile doch schon Sorten, bei denen diesbezüglich die 30cm-Marke längst überschritten wurde. Was bei diesem „Wildling“ jedoch überrascht ist die relative Größe der recht haltbaren Blumen, die im Verhältnis zur Kompaktheit der Pflanze fast schon riesig erscheinen, und dies in leuchtenden Farben und zudem auch noch sehr willig und in großer Zahl. Ich halte sie aus diesem Grund für sehr kulturwürdig und kann sie jedem Epikakteenfreund nur wärmstens empfehlen. Sie könnte darüber hinaus als geeigneter Kreuzungspartner bei der Zucht zukünftiger Epicactus-Generationen wertvolle Dienste leisten.

Um dieser Unbekannten den verdienten Status zu verleihen und ihre Existenz und Herkunft zu dokumentieren, habe ich mich entschlossen, sie im Jahre 2008 bei der Epiphyllum Society of America (ESA) registrieren zu lassen. Dabei wurde schnell klar, dass die ursprüngliche Bezeichnung “HU 988“ laut Art.19, § 5, Note 2 des International Code of Nomenclature for Cultivated Plants (ICNCP 2004) nicht als Kultivarname Anerkennung finden würde. Nach Absprache und mit Zustimmung des Entdeckers, Herrn Werner Uebelmann aus Zufikon, Schweiz – vielen von uns als hervorragender Kenner Brasiliens und seiner Kakteenwelt bekannt – ist die Registrierung der Pflanze dann unter dem neuen Namen ’Werner Uebelmann’ bei der ESA unter der Reg. Nr. 13354 erfolgt (ESA-Directory, Addendum 31).



Trichocereus Hybride Flamenco


Abb.3 Epicactus ´Werner Uebelmann´.



Literatur
Epiphyllum Society of America (2008): Directory of Species and Hybrids, Addendum 31:13:
Hofacker, A. (2000): Ein seltsamer Fund von Horst und Uebelmann aus Brasilien. EPIG 12(3/4):92-94:
Uebelmann, W. (1996): Horst & Uebelmann Feldnummernliste, S. 94; Selbstverlag, Zufikon

Der Artikel wurde in der EPIG Ausgabe 63/2009 veröffentlicht. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion der EPIG.

 

Eckhard Meier
Auf dem Rödchen 45
65582 Diez